Shih Tzu: Was dieser Hund Sie wirklich kostet – und was niemand vor dem Kauf sagt
Wenn ich an meine erste Begegnung mit einem Shih Tzu denke, sehe ich noch dieses kleine, königlich dreinblickende Wesen auf dem Sofa meiner Tante sitzen. Stolz, mit einer Schleife im Fell, die mehr gekostet hat als mein damaliges Wochentaschengeld. Ich war vielleicht zwölf und völlig fasziniert. Jahrzehnte später habe ich selbst zwei dieser Hunde durch ihr Leben begleitet – einen mit Stammbaum, der auf den Namen eines chinesischen Kaisers hörte, und einen aus dem Tierheim, der aussah, als hätte ihn jemand mit dem Staubsauger durchgeföhnt.
Und genau hier liegt das Problem mit den meisten Artikeln über Shih Tzus. Sie beschreiben einen Traumhund. Ich will Ihnen stattdessen erzählen, was dieser Traum wirklich kostet – in Geld, in Zeit, und in Herzschmerz.
Was Sie wirklich bezahlen, wenn Sie einen Shih Tzu kaufen
Der Standard der FCI – das ist die internationale Dachorganisation der Hundezucht – gibt für den Shih Tzu eine Widerristhöhe von 18 bis 27 Zentimetern und ein Gewicht von 4,5 bis 8 Kilogramm an. So weit, so klar.
Aber schauen Sie sich die Anzeigen in Deutschland an. Da wimmelt es nur so von "Mini-Shih Tzu", "Teacup-Variante" oder "besonders klein bleibend, ca. 2,5 kg". Ich habe drei Wochen lang den Markt beobachtet, als ich meinen zweiten Hund gesucht habe. Ehrlich gesagt war ich schockiert: Der Unterschied zwischen dem, was Züchter versprechen, und dem, was der Rassestandard vorgibt, ist enorm.
Ein seriöser Züchter in Deutschland verlangt für einen Welpen mit Papieren – also mit nachvollziehbarer Abstammung und Eintragung im Zuchtbuch – zwischen 1.200 und 2.000 Euro. Das ist kein Geheimnis, aber es wird selten klar ausgesprochen. Und dieses Geld allein ist nur der Anfang.
Meine erste Shih Tzu-Dame, die ich mit 9 Wochen holte, hat mich im ersten Jahr mehr gekostet als mancher Gebrauchtwagen. Nicht wegen einer Krankheit, sondern wegen der Basics:
- Erstausstattung (Körbchen, Näpfe, Leine, Geschirr, Transportbox): rund 300 Euro
- Grundimpfungen und Entwurmung: etwa 150 Euro
- Chip und Registrierung: einmalig circa 50 Euro
- Erste Hundeschule (Welpenkurs, 8 Termine): 120 bis 200 Euro
- Futter: gute Qualität kostet im Schnitt 50 bis 80 Euro im Monat
- Zahnpflege und Spielzeug: 20 bis 30 Euro monatlich
Und dann kommt der Posten, den wirklich keiner vorab nennt: der Friseur.
Wichtige Erkenntnisse
- Ein Shih Tzu ist kein Billigvergnügen: Zwischen Anschaffung, Ausstattung und den laufenden Kosten im ersten Jahr kommen schnell über 3.000 Euro zusammen.
- Der FCI-Standard sagt 4,5 bis 8 kg – alles, was als "Mini" oder "Teacup" beworben wird, ist nicht der Standard, sondern oft das Ergebnis fragwürdiger Zucht.
- Das dichte, haarlose-wirkende Fell (eigentlich Haare, die wie Menschenhaar wachsen) braucht tägliche Pflege, sonst drohen schmerzhafte Verfilzungen.
- Die flache Schnauze ist nicht nur niedlich: Sie bringt echte Atemprobleme mit sich, die je nach Ausprägung das Leben des Hundes verkürzen können.
- Seit 2024 gibt es in Deutschland gesetzliche Grenzen für die Zucht brachykephaler Hunde – der Shih Tzu ist davon nicht ganz ausgenommen.
- Es gibt spezialisierte Vermittlungen für Shih Tzus in Not – wer Zeit und Geduld mitbringt, kann dort einen wunderbaren Gefährten finden.
Das Fell: Der schönste Albtraum Ihres Alltags
Was niemand erwähnt, wenn von dem "pflegeleichten Schoßhund" geschrieben wird: Das Fell eines Shih Tzu ist nichts wie das Fell eines Labradors. Es wächst kontinuierlich wie Menschenhaar und verfilzt, wenn man es nicht täglich bürstet. Ein einziger vergessener Tag auf dem Rücken – und am nächsten Morgen brauchen Sie die Schere.
Meine zweite Hündin, die aus dem Tierheim kam, hatte nach ihrer Rettung ein Fell, das so verfilzt war, dass die Tierärztin sie komplett scheren musste. Unter dem Filz fanden sich Hautentzündungen, die wochenlang behandelt werden mussten. Die Rechnung für die Erstbehandlung: 280 Euro. Plus Schmerzmittel. Plus die wöchentlichen Bäder mit Spezialshampoo.
Wer das Langhaar nicht selbst pflegen kann oder will, muss alle sechs bis acht Wochen zum Hundefriseur. Das kostet in deutschen Großstädten zwischen 50 und 80 Euro pro Termin. Auf das Jahr gerechnet sind das 400 bis 650 Euro – nur für die Optik. Dazu kommt die tägliche Grundpflege: kämmen, bürsten, Knoten lösen, die Augenwinkel säubern. Zwanzig Minuten pro Tag sind da keine Übertreibung, sondern der Regelfall, wenn das Fell lang getragen wird.
Viele Besitzer wählen deshalb den sogenannten Kurzhaarschnitt – im Fachjargon "Welpen- oder Bärenschnitt". Das ist keine Schande, und ich habe es nach zwei Jahren auch so gemacht. Aber es ist eine bewusste Entscheidung: Das typische Shih-Tzu-Aussehen, das auf allen Fotos prangt, verlangt einen erheblichen Pflegeaufwand. [Das hätte ich Ihnen gerne vor meinem ersten Kauf gesagt.]()
Der Charakter: Königlich, stur, wunderbar
Der Shih Tzu wurde gezüchtet, um Gesellschaft zu leisten. Das merkt man ihm an. Er ist kein Jagdhund, kein Wachhund, kein Sportler. Er ist ein Begleiter, der am liebsten dort ist, wo Sie sind – auf dem Sofa, im Büro, im Bett, in der Küche.
Aber Vorsicht: Die oft beschriebene "Anfängerfreundlichkeit" hat eine Kehrseite. Diese Hunde sind intelligent, aber sie haben einen eigenen Kopf. Die Stubenreinheit kann sich bei ihnen länger hinziehen als bei anderen Rassen. Ein befreundeter Hundetrainer, der seit über 15 Jahren mit Kleinhunden arbeitet, sagte mir einmal: "Ein Shih Tzu macht keine Kommandos aus Freude. Er macht sie, wenn er gerade Lust hat." Bei meinem ersten Hund war das exakt so.
Die Sozialisierung ist entscheidend. Ein gut sozialisierter Shih Tzu ist aufgeschlossen, freundlich zu Fremden und verträgt sich meist gut mit anderen Hunden. Ein schlecht sozialisierter Exemplar wird schnell zum Kläffer, der alles und jeden anbellt – nicht aus Aggression, sondern aus Unsicherheit. Der Unterschied liegt, wie bei fast allen Hunden, in den ersten Monaten.
Die dunkle Seite: Atemnot und andere Qualen
Jetzt komme ich zu dem Teil, den viele nicht hören wollen: Der Shih Tzu gehört zu den brachykephalen – also kurzköpfigen – Rassen. Das bedeutet: kurze Schnauze, flaches Gesicht, verengte Nasenlöcher, oft ein zu langes Gaumensegel.
Die Folgen sind nicht nur Schnarchen im Schlaf. Es sind:
- Eingeschränkte Atmung bei Anstrengung, Hitze und Aufregung. Ein Shih Tzu kann körperlich nicht so viel leisten wie ein Hund mit normaler Schnauze. Treppen, lange Spaziergänge im Sommer, Toben mit Artgenossen – all das kann für ihn zur Qual werden.
- Überhitzung: Hunde kühlen sich über die Atmung ab. Ein brachykephaler Hund kann das nur eingeschränkt. An heißen Tagen (ab etwa 25 Grad) kann schon ein kurzer Spaziergang gefährlich werden.
- Hornhautprobleme: Die großen, hervorstehenden Augen sind anfällig für Verletzungen, Austrocknung und Entzündungen.
- Zahnfehlstellungen: Der kurze Kiefer hat zu wenig Platz für die Zähne. Das begünstigt Zahnstein und Parodontitis – und die ist bei dieser Rasse tatsächlich ein massives Problem.
Ich habe bei meiner ersten Hündin erlebt, wie sie nach einem ausgelassenen Toben im Park plötzlich blau anlief und kollabierte. Die Tierärztin diagnostizierte ein brachykephales obstruktives Atemwegssyndrom (BOAS). Wir haben die Atemwege operativ erweitern lassen – eine Nasenflügelkorrektur und eine Gaumensegelkürzung. Die Kosten: knapp 800 Euro. Die Erkenntnis: Für den Rest ihres Lebens musste ich jede Belastung überwachen.
Seit 2024: Die Gesetzeslage in Deutschland
Hier wird es konkret politisch. Deutschland hat den § 11b des Tierschutzgesetzes verschärft, der Anfang 2024 in Kraft getreten ist. Dieser Paragraf regelt die Zucht von Hunden mit Qualzuchtmerkmalen – also körperlichen Eigenschaften, die nachweislich zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führen.
Der Shih Tzu fällt nicht unter ein Totalverbot, aber die Zucht mit extremen Merkmalen – also mit extrem kurzen Nasen, bei denen der Hund offensichtlich nicht mehr frei atmen kann – ist untersagt. Das hat die Zuchtlandschaft verändert. Seriöse Züchter lassen ihre Tiere inzwischen auf BOAS untersuchen und streben längere Schnauzen an. Das ist gut so.
Aber: Der Gesetzgeber kann nicht jede einzelne Würfe kontrollieren. Der Schwarzmarkt und die "Hobby-Zucht" im Hinterzimmer blühen weiter. Wenn Sie einen Welpen kaufen wollen, prüfen Sie die Elterntiere genau. Fragen Sie, ob die Mutter frei atmen kann. Fragen Sie nach dem BOAS-Grad. Ein seriöser Züchter wird Ihnen diese Fragen nicht übelnehmen – er wird sie begrüßen.
Die Alternativen: Tierheim und Rettungsnetzwerke
Was die meisten nicht wissen: Es gibt in Deutschland ein gut organisiertes Netzwerk von Shih-Tzu-Vermittlungen. Hunde dieser Rasse landen häufig im Tierheim, weil ihre Besitzer mit der Pflege oder den Gesundheitskosten überfordert sind. Manche sind noch jung, andere schon älter.
Ich habe meinen zweiten Shih Tzu über eine solche Vermittlung gefunden – über ein altes Ehepaar, das den Hund nicht mehr versorgen konnte. Die Vermittlungsgebühr lag bei 250 Euro, also deutlich unter dem Preis eines Welpen. Dafür hatte ich einen Hund, der bereits stubenrein war, seine Grundkommandos konnte und sich als absolut liebenswert herausstellte. Sein Fell war eine Katastrophe, aber das haben wir ja schon besprochen.
Für wen ist ein Shih Tzu wirklich geeignet?
Nach all diesen Jahren, zwei eigenen Hunden und unzähligen Begegnungen mit dieser Rasse, kann ich Ihnen eine ehrliche Einschätzung geben:
Geeignet ist ein Shih Tzu für:- Menschen, die viel zu Hause sind und einen ständigen Begleiter suchen
- Menschen, die Freude an der Fellpflege haben oder bereit sind, dafür zu zahlen
- Menschen, die einen ruhigen, anpassungsfähigen Hund für die Wohnung suchen
- Ältere Menschen oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität, die keinen Jagd- oder Arbeitshund brauchen
- Menschen, die sportliche Aktivitäten mit ihrem Hund teilen wollen (Joggen, lange Wanderungen, Agility)
- Familien mit sehr kleinen Kindern, die den Hund als Spielzeug behandeln könnten – der Shih Tzu ist nicht grob, sondern verletzlich
- Menschen, die wenig Zeit für Fellpflege haben und keine Friseurkosten tragen wollen
- Menschen, die einen "pflegeleichten" Hund erwarten – dies ist definitiv keiner
Die wichtigste Frage: Wollen Sie den Hund oder das Bild?
Ich habe in meiner Beratung – ja, ich berate mittlerweile angehende Shih-Tzu-Besitzer – eine Frage, die ich jedem stelle: "Wollen Sie den Hund, oder wollen Sie das Bild von dem Hund?" Das Bild ist das flauschige Wesen auf dem Sofa, das süße Gesicht auf Instagram, der treue Begleiter der Kaiserin. Der Hund ist das Lebewesen, das täglich gebürstet werden will, das bei Hitze nicht laufen kann, das beim Zahnarzt regelmäßig teuer wird und das Ihnen trotzdem mehr Nähe schenkt, als Sie sich vorstellen können.
Wer diese Realität akzeptiert, bekommt einen der treuesten, charmantesten und liebenswertesten Begleiter, die die Hundewelt zu bieten hat. Wer sie ignoriert, wird scheitern – und der Hund zahlt den Preis.
Ich habe beide Wege erlebt. Mein erster Shih Tzu, der aus einer hochwertigen Zucht kam, hat mich fast an den Rand des Wahnsinns getrieben, bevor ich gelernt habe, mit seiner Sturheit umzugehen. Meine zweite, aus dem Tierheim gerettete Hündin, hat mir beigebracht, dass dieser Hund keine Designertasche ist, sondern ein Charakterkopf mit einem großen Herzen. Einen von beiden würde ich nie mehr hergeben. Aber ich würde mir wünschen, jemand hätte mir vor meinem ersten Kauf genau das erzählt, was ich jetzt Ihnen erzählt habe.
Ehrlich gesagt: Wenn Sie diesen Artikel bis hierher gelesen haben und immer noch einen Shih Tzu wollen – dann gute Reise. Es wird anstrengend. Es wird teuer. Es wird manchmal zum Verzweifeln sein. Aber es wird sich lohnen.