Fahranfänger Versicherung: Der 5.000-Euro-Fehler, den Sie vermeiden sollten
Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als mein Sohn mir den Kostenvoranschlag für seine erste eigene Versicherung zeigte. Kein Witz – 2.400 Euro im Jahr für einen zehn Jahre alten Golf. Nur Haftpflicht. Ich habe erst laut gelacht, dann fast geweint. Dieses Angebot war nicht nur teuer, es war eine Frechheit. Und es war vermeidbar.
Die Versicherung ist für Fahranfänger der größte Kostenblock nach dem Auto selbst. Aber die wenigsten wissen: Der Preis ist kein Schicksal. Er ist das Ergebnis einer Kette von Entscheidungen, die man schon Monate vor dem ersten Alleinfahren treffen kann. Und genau da liegt das Problem – die meisten lassen sich die Entscheidungen von den Versicherern diktieren, statt sie selbst in die Hand zu nehmen.
In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie Sie als Fahranfänger oder als Eltern eines Fahranfängers nicht nur ein paar Euro sparen, sondern oft mehrere tausend Euro über die ersten Jahre. Ich habe das durchgespielt – mit meinem Sohn, mit den Autos von Freunden und mit einem dicken Ordner voller Vergleichsrechnungen.
Warum die erste Versicherung so teuer ist (und niemand Ihnen das erklärt)
Die Prämie für einen Fahranfänger ist hoch, weil die Statistik gnadenlos ist. Wer frisch den Führerschein hat, baut in den ersten zwölf Monaten deutlich häufiger einen Unfall als jemand mit zehn Jahren Erfahrung. Das Risiko steigt nochmal, wenn Sie unter 25 sind. Die Versicherer kalkulieren das nicht mit einer Moralnote, sondern mit nackten Zahlen – und diese Zahlen schlagen direkt auf Ihren Beitrag.
Dazu kommt ein zweiter Faktor, den viele unterschätzen: die Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) . Jedes unfallfreie Jahr versetzt Sie in eine bessere Klasse, was den Rabatt erhöht. Ein Fahranfänger startet aber bei Klasse 0 – also ohne jeden Rabatt. Der reguläre Beitragssatz liegt dann bei 100 Prozent, während ein erfahrener Fahrer in SF-Klasse 20 vielleicht nur 30 Prozent zahlt.
„Das ist doch unfair", höre ich Sie jetzt denken. Mag sein. Aber unfair nützt Ihnen nichts – Strategie nützt Ihnen etwas. Und die beginnt nicht bei der ersten eigenen Police, sondern viel früher.
Fahranfänger Versicherung bei den Eltern: Der Klassiker mit Haken
Die gängigste Empfehlung ist, den Fahranfänger als namentlich benannten Fahrer in den Vertrag der Eltern aufzunehmen. Das klingt zuerst nach einem cleveren Schachzug, und ehrlich gesagt: In den meisten Fällen ist es das auch. Statt 2.000 Euro und mehr für eine eigene Police zahlen Sie vielleicht 800 bis 1.000 Euro als Aufschlag auf die elterliche Versicherung.
Der Haken: Sie sammeln in dieser Zeit keine eigene SF-Klasse . Klingt logisch, oder? Sie sind ja nicht der Vertragsnehmer. Wenn Sie also mit 25 Jahren aus dem elterlichen Vertrag aussteigen, stehen Sie plötzlich wieder bei Null. Und dann kann es richtig teuer werden, weil das Alter als Rabattfaktor wegfällt.
Die clevere Variante: Versicherung für den Sohn, aber über die Eltern
Es gibt aber einen Weg, der beides verbindet. Statt den jungen Fahrer nur eintragen zu lassen, schließen die Eltern einen eigenen Vertrag für den Fahranfänger ab – also auf seinen Namen, aber über die Eltern als Vertragspartner. Klingt nach Papierkram, ist es aber nicht. Viele Versicherer bieten genau dafür Tarife an, oft unter dem Stichwort „Junge Leute".
Der Clou: Der Fahranfänger ist der Hauptfahrer, sammelt aber die SF-Klasse für den elterlichen Vertrag? Nein, so läuft das nicht. Es geht darum, dass der Vertrag auf den Namen des Fahranfängers läuft, aber die Eltern die Beiträge übernehmen und der junge Fahrer in der SF-Klasse der Eltern mitwächst.
Ich verrate Ihnen, was wir gemacht haben: Mein Sohn ist mit 17 in die begleitete Fahrschule (BF17) gegangen. Er hat seinen Führerschein mit 17,5 gemacht. Die Versicherung haben wir auf seinen Namen abgeschlossen, aber ich trat als Halter und Versicherungsnehmer auf. Das klingt nach einem großen Unterschied, ist es aber nicht – es ist reine Vertragslogik.
Ergebnis: Er fuhr ein Jahr lang ein kleines Auto, das auf mich zugelassen war, aber er stand als Fahrer in der Police. Als er mit 18 einen eigenen Wagen bekam, hatte er bereits ein Jahr unfallfreies Fahren. Das klingt nicht nach viel, aber es hat seine Prämie um rund 15 Prozent gesenkt – und er hatte die erste Hürde genommen.
Fahranfänger Versicherung Kosten: Was Sie realistisch erwartet
Bevor wir über Spartricks reden, sollten wir über Zahlen reden. Denn „billig" und „teuer" sind relative Begriffe. Ich habe in den letzten Jahren Dutzende Angebote für junge Fahrer gesehen – hier ist eine realistische Einordnung, wie viel Sie für eine Fahranfänger Versicherung einplanen müssen.
Ein 22-Jähriger mit einem 1.2-Liter Kleinwagen (z.B. VW Polo, Opel Corsa), wohnhaft in einer mittleren Stadt in NRW, zahlt für eine Haftpflichtversicherung etwa 800 bis 1.200 Euro pro Jahr. Kommen Sie aus einer teuren Region wie München oder Hamburg, können es auch 1.400 Euro sein.
Vollkasko ist für die meisten Fahranfänger finanzieller Selbstmord – jedenfalls in den ersten zwei Jahren. Bei einem Fahrzeugwert von 8.000 Euro reden wir über 1.800 bis 2.500 Euro jährlich. Und dann die Frage: Lohnt sich das überhaupt? Bei einem alten Auto, das nur noch 3.000 Euro Wert ist, ist Vollkasko schlicht rausgeschmissenes Geld. Die Prämie ist oft höher als die maximale Entschädigung im Schadensfall.Die gute Nachricht? Es geht auch anders. Mit den richtigen Stellschrauben habe ich meinen Sohn von den genannten 2.400 Euro auf 1.350 Euro im Jahr gedrückt – bei einem besseren Schutz als im ursprünglichen Angebot.
Hier sehen Sie die groben Richtwerte, die ich aus meinen Vergleichsrechnungen der letzten Jahre als realistisch einstufe:
| Fahrzeugtyp | Haftpflicht (Region Ost) | Haftpflicht (Region West/Mitte) | Haftpflicht + Teilkasko | Vollkasko |
|---|---|---|---|---|
| Kleinwagen (z.B. VW Polo) | 650 - 850 € | 800 - 1.200 € | 900 - 1.400 € | 1.300 - 2.000 € |
| Kompaktwagen (z.B. VW Golf) | 800 - 1.000 € | 1.000 - 1.500 € | 1.200 - 1.700 € | 1.600 - 2.500 € |
| „Sportliche" Kleinwagen (z.B. Fiesta ST) | 950 - 1.200 € | 1.200 - 1.800 € | 1.400 - 2.000 € | 2.000 - 3.200 € |
Warum die Region so einen großen Unterschied macht
Der Wohnort ist einer der stärksten Preistreiber. Das liegt nicht daran, dass in einer Stadt bessere Menschen leben. Es liegt an der Schadensbilanz. Gibt es in Ihrer Postleitzahl viele Wildunfälle, Diebstähle oder Vandalismus, zahlen alle in dieser Gegend mehr. Ich habe Kundenprojekte in München und in Magdeburg betreut – die Unterschiede bei identischen Fahrern und Autos lagen bei über 30 Prozent.
Was ich Ihnen damit sagen will: Wenn Sie flexibel sind und vielleicht sowieso einen Umzug planen, kann allein die neue Adresse Ihre Versicherung massiv verbilligen. Und wenn Sie in einer teuren Stadt wohnen, sollten Sie Ihre Erwartungen an den Preis nach unten schrauben – oder stärker über die anderen Stellschrauben gehen.
Fahranfänger Versicherung ohne eigenes Auto: Die unterschätzte Option
Viele junge Leute fahren das Auto der Eltern oder der Großeltern mit, ohne selbst einen Wagen zu besitzen. Der natürliche Reflex ist: „Dann brauche ich auch keine eigene Versicherung." Das ist falsch – und kann teuer werden.
Wenn Sie regelmäßig fremde Autos fahren, sind Sie nicht automatisch versichert, nur weil das Auto eine Police hat. Der Vertrag des Halters deckt in der Regel nur die im Vertrag genannten Personen ab. Steht nur die Mutter drin, und Sie bauen mit dem Familienauto einen Unfall, kann die Versicherung die Leistung kürzen. Im schlimmsten Fall sind Sie persönlich haftbar – mit allen finanziellen Konsequenzen.
Ein Fahranfänger ohne eigenes Auto hat aber zwei gute Optionen:
- Eintragung als Fahrer in der Police der Eltern: Der Klassiker. Wie oben beschrieben, erhöht das den Beitrag, gibt aber Sicherheit. Sinnvoll, wenn Sie regelmäßig das elterliche Auto nutzen.
- Abschluss einer sogenannten „Mallorca-Police" (Haftpflicht für fremde Fahrzeuge): Das ist eine Zusatzversicherung ohne eigenes Auto. Sie deckt Schäden ab, die Sie mit gemieteten oder geliehenen Fahrzeugen verursachen – weltweit. Kostenpunkt: lächerliche 30 bis 60 Euro im Jahr.
Der zweite Punkt ist ein echter Lifehack. Mein Neffe studiert in einer Stadt ohne Auto. Er nutzt ab und zu einen Carsharing-Wagen oder leiht sich das Auto eines Freundes. Mit der Mallorca-Police ist er für ein paar Euros im Monat abgesichert – und hat trotzdem keine eigene, teure Kfz-Versicherung am Bein.
Fahranfänger Versicherung günstig: Die sechs Stellschrauben, die wirklich etwas bringen
Jetzt wird es konkret. Hier sind die Strategien, die ich für meinen Sohn und für die Kinder von Freunden angewendet habe. Es ist eine Reihenfolge – von der größten zur kleinsten Ersparnis.
Stellschraube 1: Die SF-Klasse von den Eltern übertragen lassen (bis zu 40 % Ersparnis)
Das ist der größte Hebel überhaupt. Viele wissen nicht, dass man eine bestehende SF-Klasse von den Eltern auf das Kind übertragen kann – unter bestimmten Bedingungen. In der Regel geht das, wenn das Kind noch keinen eigenen Vertrag hat. Die Eltern können dann eine ihrer angesparten Klassen auf den Nachwuchs übertragen.
Ein Beispiel aus meinem Bekanntenkreis: Ein Vater hatte SF-Klasse 25 – also den maximalen Rabattsatz von 30 Prozent. Er hat diese Klasse an seine Tochter übertragen. Die Tochter startete also nicht bei 100 Prozent, sondern direkt bei 30 Prozent des Beitrages. Das machte aus einer 1.800-Euro-Versicherung eine für 540 Euro. Klar, der Vater verlor seine Klasse und musste selbst neu anfangen – aber er fuhr ohnehin bald keinen Wagen mehr. Ein Deal, von dem beide profitierten.
Eine weitere Variante: Eltern, die noch einen alten Vertrag mit hoher SF-Klasse haben, aber ihr Auto verkauft haben. Dieser Vertrag „ruht". Man kann die Klasse oft auf das Kind übertragen oder sogar den Vertrag komplett auf den Fahranfänger umschreiben lassen.
Der Haken: Nicht alle Versicherer machen das ohne Weiteres mit. Es gibt oft Klauseln, dass die Übertragung nur innerhalb der Familie und nur einmal im Leben möglich ist. Informieren Sie sich also vorher beim aktuellen Anbieter, nicht beim neuen.Stellschraube 2: Jährliche Zahlweise statt monatlich (bis zu 8 % Ersparnis)
Klingt banal, ist aber eine der einfachsten Sparmethoden. Wer monatlich zahlt, bekommt von den Versicherern einen Zuschlag von 3 bis 8 Prozent auf den Jahresbeitrag. Das ist die „Ratenzahlungsgebühr".
Ich habe diesen Fehler selbst gemacht: Bei meinem ersten eigenen Auto habe ich monatlich gezahlt, weil ich dachte, ich hätte sonst das Geld nicht. Am Ende des Jahres hatte ich fast 100 Euro mehr bezahlt als nötig – für nichts.
Mein Rat: Zahlen Sie den Beitrag in einer Summe im Voraus. Wenn Sie das Geld nicht auf einem Schlag haben, legen Sie es auf ein separates Tagesgeldkonto und überweisen Sie monatlich einen Betrag dorthin. Sie bekommen sogar noch ein paar Zinsen (okay, nicht viele, aber es summiert sich mit dem Rabatt).Stellschraube 3: Die richtige Fahrzeugwahl (bis zu 30 % Ersparnis)
Die Typklasse des Autos ist ein gewaltiger Preistreiber. Jedes Modell hat eine eigene Typklasse, die sich nach Schadenshäufigkeit und -höhe richtet. Ein Kleinwagen mit 75 PS ist nicht nur günstiger in der Anschaffung, sondern auch in der Versicherung.
Der Fehler vieler Fahranfänger: Sie kaufen einen „Kleinwagen" – aber dann doch einen mit 150-PS-Motor. Das ist kein Kleinwagen mehr, das ist ein Sportgerät. Und die Versicherung kassiert dafür kräftig mit.
Faustregel: Bleiben Sie unter 100 PS und wählen Sie ein verbreitetes Modell wie einen Opel Corsa, VW Polo oder Ford Fiesta. Je häufiger das Auto ist, desto günstiger sind die Ersatzteile – und desto besser die Schadensbilanz. Ich habe es erlebt, dass ein Unterschied von 15 PS den Beitrag um 20 Prozent verändert hat.Stellschraube 4: Der Werkstatt-Bund (bis zu 10 % Ersparnis)
Fast jeder Versicherer gewährt einen Rabatt, wenn Sie im Schadensfall eine freie Werkstatt erlauben, anstatt auf die teure Markenwerkstatt zu bestehen. Das ist ein „Reparaturrabatt" oder wird unter „Werkstattbindung" angeboten. Die Ersparnis liegt meist zwischen 5 und 10 Prozent.
Für junge Fahrer, die ohnehin ein älteres Auto fahren, ist das ein No-Brainer: Die freie Werkstatt macht den Job genauso gut, und Sie zahlen weniger. Achtung: Bei Vollkasko und Teilkasko kann diese Rabattierung den Verlust des Neuwagenrabatts bedeuten – bei alten Autos ist das aber egal.
Stellschraube 5: Telematik-Tarife (bis zu 15 % Ersparnis)
Die App im Auto. Sie überwacht Ihre Fahrweise – Beschleunigung, Bremsverhalten, Geschwindigkeit. Wer defensiv fährt, bekommt einen Rabatt. Wer rast, zahlt mehr.
Ich war skeptisch, ehrlich gesagt. Ich habe meinen Sohn nicht als Datenlieferanten für einen Konzern sehen wollen. Aber dann habe ich die Zahlen gesehen: Manche Anbieter geben bis zu 15 oder sogar 20 Prozent Rabatt auf den Beitrag – und das für eine Fahrt, die der junge Fahrer ohnehin machen würde.
Ich habe es mit meinem Sohn durchgezogen. Das Ergebnis? Er fährt seither tatsächlich gleichmäßiger. Nicht, weil er sparen will, sondern weil er die App als „Spiel" sieht – ein grüner Punkt für gute Fahrt, ein roter für zu hartes Bremsen. Und ich habe im ersten Jahr über 150 Euro gespart. Kritisch wird es nur, wenn man den Tarif als Datenschutz-Albtraum sieht – das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Stellschraube 6: Vergleichsportale richtig nutzen (bis zu 25 % Ersparnis)
„Klar, Vergleichsportale" – denken Sie jetzt vielleicht. Aber die meisten nutzen sie falsch. Sie geben ihre Daten ein, nehmen das billigste Angebot und sind fertig. Das ist ein Fehler.
Die Portale wie Check24 oder Verivox zeigen Ihnen nur einen Bruchteil des Marktes. Viele regionale Anbieter, wie die bayerische Versicherungskammer oder die HUK-Coburg (die oft gute Tarife für junge Leute hat), sind dort manchmal nur eingeschränkt oder gar nicht gelistet.
Mein Tipp: Nutzen Sie das Portal, um den Markt zu verstehen und eine grobe Richtung zu bekommen. Dann rufen Sie gezielt zwei oder drei Direktversicherer an (z.B. Allianz, HUK, AXA), die Sie online gefunden haben. Ein Anruf dauert zehn Minuten und kann hunderte Euros sparen, weil der Berater oft noch Sondertarife oder Rabatte gewährt, die das Portal nicht anzeigt.Und noch ein Geheimnis: Verhandeln Sie! Auch mit dem Versicherer. Wenn Sie mit einem guten Angebot vom Portal kommen, können Sie den eigenen Anbieter unter Druck setzen. Schlagen Sie vor, dass Sie wechseln, und fragen Sie, ob es einen Nachlass gibt. Das funktioniert öfter, als Sie denken.
Das Tabu-Thema: Wenn der erste Schaden kommt
Ich will Ihnen nichts vormachen: Egal wie gut Sie versichert sind, ein Schaden in den ersten Jahren ist ein wirtschaftlicher Schock. Nicht wegen der Reparatur – die zahlt die Versicherung. Sondern wegen der Rückstufung. Sie verlieren Ihre SF-Klasse und steigen gleich mehrere Stufen zurück – was in den Folgejahren massiv mehr Prämie bedeutet.
Das fiese Detail: Ein einziger, kleiner Blechschaden von 500 Euro kann Sie über die nächsten Jahre mehrere tausend Euro kosten. Es gibt eine Faustregel, die ich gerne weitergebe: Selbst zahlen ist manchmal klüger als melden. Sie müssen einen Schaden nicht automatisch melden, wenn er klein ist und Sie ihn selbst reparieren können.
Nehmen wir an, Sie haben einen Kratzer an der Stoßstange, der 600 Euro Reparatur kostet. Ihre SF-Klasse ist 1, der Beitrag liegt bei 1.200 Euro. Wenn Sie den Schaden melden, steigen Sie zwei Klassen zurück – Ihr Beitrag erhöht sich um ca. 300 Euro pro Jahr. Über drei Jahre sind das 900 Euro. Da ist die 600-Euro-Reparatur aus eigener Tasche deutlich günstiger.
Achtung: Diese Rechnung geht nur auf, wenn Sie den Schaden wirklich selbst bezahlen können und wollen. Und Sie müssen der Versicherung nichts „verschweigen" – Sie haben das Recht, einen Schaden nicht zu melden. Sie machen sich also nicht strafbar. Aber wenn ein Unfall mit einem Dritten passiert, müssen Sie es melden – keine Diskussion.Fahranfänger Versicherung Prozent: Der Mythos vom festen Rabatt
Immer wieder geistert die Frage durch die Foren: „Wie viel Prozent bekomme ich als Fahranfänger?" Die Antwort: Es gibt keinen festen Prozentsatz.
Die „Prozente", von denen alle reden, beziehen sich auf die Schadenfreiheitsklasse. Und die hat nichts mit dem Alter, sondern nur mit der Anzahl der unfallfreien Jahre zu tun. Sie starten bei 0, nach einem Jahr sind Sie in Klasse 1/2, nach zwei in 1/2 und so weiter. Jede Klasse hat einen festen Rabattsatz auf den Grundbeitrag – aber der Grundbeitrag selbst hängt von Auto, Region und Typklasse ab.
Woher kommt dann die Idee mit den „Prozenten"? Sie kommt daher, dass die meisten Menschen nicht zwischen „Beitrag" und „Rabatt" unterscheiden. Wenn jemand sagt „Ich habe 20 Prozent als Fahranfänger bekommen", meint er meist: „Ich habe 20 Prozent weniger bezahlt als mein Kollege mit einer schlechteren Versicherung." Das ist ein Vergleich, der nur innerhalb der gleichen Firma und gleichen Fahrzeugklasse funktioniert.
Ich habe schon Berater erlebt, die mit Prozenten um sich werfen, um einen Deal zu suggerieren. Lassen Sie sich darauf nicht ein. Fragen Sie immer nach dem konkreten Jahresbeitrag in Euro – und vergleichen Sie nur Äpfel mit Äpfeln, also gleiche Leistungen, gleiche Selbstbeteiligung.
Fahranfänger Versicherung ADAC: Hilfe, nicht Versicherer
Eine letzte Sache, die mir wichtig ist: Der ADAC ist kein Versicherer im klassischen Sinne. Er bietet zwar über Partnerunternehmen auch Kfz-Versicherungen an, aber der eigentliche Wert des ADAC liegt in seinen anderen Leistungen – Pannenhilfe, Abschleppen, Auslandskrankenschutz.
Für Fahranfänger ist die ADAC-Mitgliedschaft trotzdem Gold wert, denn sie deckt genau die Risiken ab, die man mit einem alten Auto und wenig Erfahrung hat. Eine Panne auf der Autobahn kann für einen jungen Fahrer schnell existenzbedrohend sein – nicht wegen der Reparatur, sondern wegen der Bergungskosten. Diese können schnell vierstellig werden. Der ADAC Plus-Schutz (oder ein ähnliches Schutzpaket) ist hier eine sinnvolle Ergänzung zur Kfz-Versicherung.
Viele meinen, der ADAC sei zu teuer. Das stimmt nicht: Die Mitgliedschaft kostet für junge Leute oft nur 50 bis 80 Euro im Jahr. Wenn sie auch nur ein einziges Mal einen Abschleppwagen brauchen, hat sich das bezahlt gemacht. Und der ADAC hilft auch bei Rechtsfragen rund um den Führerschein – was für Fahranfänger ebenfalls beruhigend ist.
Wie Sie den passenden Tarif finden: Ein persönlicher Ablaufplan
Ich werde immer wieder gefragt: „Wie gehst du da genau vor?" Hier mein Ablauf, den ich inzwischen bei vier jungen Leuten in der Familie und im Freundeskreis durchgezogen habe – er hat funktioniert.
- Bestandsaufnahme: Zuerst klären wir die Fakten: Welches Auto? Welche Region? Welche SF-Klasse kann ich übernehmen?
- Wunsch-Szenario definieren: Soll es der günstigste Tarif mit Haftpflicht sein, oder kann es etwas besseres wie Teilkasko sein, weil das Auto teurer ist?
- Zwei Vergleichsportale füttern: Ich gehe zu Check24 und Verivox, gleiche die Konditionen ab. Meist unterscheiden sie sich nur bei einzelnen Anbietern.
- Direktversicherer checken: Ich schaue mir die Tarife der HUK24, Allianz Direct, AXA und der DEVK an – die sind oft nicht im Portal gelistet und überraschen mich immer wieder mit guten Angeboten.
- Das beste Angebot identifizieren: Nicht nur der Beitrag zählt, sondern auch die Leistungen – z.B. ob ein Schutzbrief inkludiert ist oder ein Rabattschutz (der verhindert, dass man bei einem Schaden gleich zurückgestuft wird).
- Den Vertrag abschließen: Und zwar mit jährlicher Zahlweise. Immer.
- Jedes Jahr prüfen: Die Versicherung ist kein Treueschwur. Wer nicht wechselt, zahlt oft über Jahre zu viel. Ein jährlicher Check mit den neuen SF-Klassen kann immer wieder 10-20 Prozent Ersparnis bringen.
Die Sache mit dem eigenen ersten Auto: Ein Gedanke zum Schluss
Die Versicherung ist ein Kostenfaktor, aber sie sollte nicht die einzige Entscheidung bestimmen. Ich habe junge Leute erlebt, die ein Auto kauften, nur weil die Versicherung billig war – und dann ständig in der Werkstatt standen. Oder die einen tollen Wagen fuhren, den sie sich mit der Versicherung nicht leisten konnten, aber trotzdem kauften, „weil sie es sich mal gönnen wollten".
Die beste Versicherung ist die, die Sie sich leisten können und die Sie nie brauchen werden. Planen Sie realistisch. Nutzen Sie die Tricks, die ich Ihnen gezeigt habe – aber verlieren Sie nicht das Ziel aus den Augen: ein sicheres, bezahlbares Auto, mit dem Sie mobil und unabhängig sind.
Ich habe meinen ersten eigenen Wagen mit 19 gekauft. Ein Opel Corsa, Baujahr 2004, mit Rost an den Radkästen. Die Vollkasko habe ich mir nicht leisten können – und ich habe sie nicht gebraucht. Ich bin mit einer soliden Haftpflicht gefahren und habe im ersten Jahr über 1.000 Euro gespart, die ich in das Auto selbst investiert habe. Das war eine der besten Entscheidungen, die ich in der Zeit getroffen habe.
Und jetzt? Vergleichen Sie. Rechnen Sie. Und vor allem: Lassen Sie sich nicht von einem erstbesten Angebot blenden. Die 2.400 Euro für meinen Sohn waren der Einstieg in eine Recherche, die uns am Ende über 1.000 Euro gespart hat. Genau das wünsche ich Ihnen auch.