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Die Besetzung von Rain Man: Stars, Rollen und ihre Geschichten

Tom Cruise, Dustin Hoffman – klar. Aber kennen Sie die deutsche Synchronbesetzung von Rain Man? Fast alle Filmseiten verschweigen sie. Warum die hiesige Stimmenriege mindestens genauso spannend ist.

Die Besetzung von Rain Man: Stars, Rollen und ihre Geschichten

Besetzung von Rain Man: Wer spielt eigentlich wen – und warum die deutsche Fassung eigene Stars hat

Zwei Brüder, ein Buick Roadmaster, 133 Minuten. Und eine Besetzung, die in Deutschland anders klingt als im Original. Wenn Sie die Besetzung von Rain Man nachschlagen, stoßen Sie auf zwei völlig verschiedene Namenslisten: die Hollywood-Riege um Tom Cruise und Dustin Hoffman, und dahinter eine deutsche Synchronriege, die hierzulande mindestens genauso bekannt ist. Genau diese zweite Liste fehlt in fast allen deutschen Filmseiten. Dabei ist sie der interessantere Teil.

Ich habe mir den Film vor ein paar Jahren zum ersten Mal seit Langem wieder im Original angesehen und danach die deutsche Fassung direkt hinterher. Nicht aus wissenschaftlichem Ehrgeiz, sondern weil mir beim ersten Durchlauf etwas an der Stimme von Raymond nicht stimmte. Der Grund war banal: Ich hatte jahrzehntelang Joachim Tennstedt im Kopf, nicht Dustin Hoffman.

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Hauptrollen spielen Dustin Hoffman (Raymond), Tom Cruise (Charlie) und Valeria Golino (Susanna).
  • Die deutsche Synchronfassung hat eigene, teils prominente Sprecher – Tennstedt, Schwartz, Nottke.
  • Regie führte Barry Levinson, der selbst eine kleine Rolle als Dr. Marston übernahm.
  • Musik: Hans Zimmer. Drehbuch: Barry Morrow und Ronald Bass. Produktion: Mark Johnson.
  • Der Film gewann 1989 vier Oscars, darunter Bester Film und Beste Regie.
  • Die Rolle des Raymond beruht auf einer realen Person: Kim Peek.

Die Hauptdarsteller: drei Namen, die den Film tragen

Fangen wir mit dem an, was unstrittig ist.

Die Hauptdarsteller: drei Namen, die den Film tragen

Dustin Hoffman als Raymond Babbitt

Hoffman war nicht die erste Wahl. Und das ist keine Fußnote, sondern der Grund, warum die Rolle so geworden ist, wie sie ist. Er hat monatelang recherchiert, mit autistischen Menschen und ihren Familien gesprochen, und daraus eine Figur gebaut, die sich nicht über Symptome definiert, sondern über Rituale: die Wapner-Sendung um Punkt elf, die Unterhosen von Kmart, die Fragen, die er nur an eine bestimmte Adresse richtet.

Was viele nicht wissen: Hoffman hatte die Rolle ursprünglich abgelehnt. Erst nach mehreren Gesprächen mit Barry Levinson sagte er zu. Ein Glücksfall für alle Beteiligten – und für ihn selbst, denn der Oscar für die beste Hauptrolle war die logische Folge.

Tom Cruise als Charlie Babbitt

Cruise war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten der eigentliche Zugpferd des Projekts, kein Nachwuchstalent. Top Gun lag zwei Jahre zurück. Er spielt hier den Gegenpol: laut, ungeduldig, gierig, und im Verlauf des Films leiser werdend. Man kann darüber streiten, ob die Wandlung glaubwürdig ist. Ich finde: ja, aber nur, weil Hoffman ihm den Raum dafür lässt.

Valeria Golino als Susanna

Golino war eine italienische Schauspielerin mit bis dahin überschaubarer US-Erfahrung. Ihre Susanna ist keine Dekoration – sie ist die Figur, die Charlie spiegelt, was er an Raymond nicht sehen will. Ihre Szenen sind kurz, und sie nutzt sie.

Kurz gesagt: drei Schauspieler, drei völlig unterschiedliche Herangehensweisen, und genau das trägt den Film über zwei Stunden.

Die deutsche Synchronisation: das fehlende Kapitel

Und dann ist da der Teil, den ich eigentlich spannender finde.

Die deutsche Synchronisation: das fehlende Kapitel

Die deutsche Fassung von Rain Man verfügt über eine eigene Sprecherriege. Joachim Tennstedt leiht Dustin Hoffman seine Stimme – für viele Hörer ist er bis heute „die“ Hoffman-Stimme überhaupt, obwohl er auch ganz andere Rollen gesprochen hat. Stephan Schwartz übernimmt Tom Cruise, Katja Nottke synchronisiert Valeria Golino.

Dazu kommen Stimmen wie Helmut Krauss, Jürgen Thormann und Lothar Blum in weiteren Rollen. Insgesamt umfasst die deutsche Fassung mehr als zwanzig Sprechrollen – eine Zahl, die man erst begreift, wenn man sich die Szene im Ärztezimmer oder die Begegnung mit der Kellnerin im Café noch einmal bewusst anhört.

Warum die Synchronfassung mehr als ein Anhang ist

Raymonds Sprechweise ist kein Beiwerk, sondern die Figur. Er spricht monoton, wiederholt, ohne Betonung. Wenn ein deutscher Synchronsprecher diese Tonlage nicht trifft, bricht der ganze Charakter weg. Tennstedt trifft sie. Nicht identisch mit Hoffman, aber funktional gleichwertig – was in der Synchronisation selten gelingt.

Ein Beispiel, das ich immer wieder gerne nenne: die Szene, in der Raymond „Kmart sucks“ sagt. Im Deutschen klingt der Satz härter, fast trotzig. Im Original klingt er beiläufiger, wie eine Feststellung aus einer Reihe von Feststellungen. Beides funktioniert, aber es sind zwei unterschiedliche Figuren in dieser einen Sekunde.

Nebenrollen und das Team hinter der Kamera

Die kleineren Parts werden in deutschen Quellen gerne stiefmütterlich behandelt – und dabei gibt es hier echte Widersprüche.

Nebenrollen und das Team hinter der Kamera

Ein Namenschaos, das niemand auflöst

Jack Murdock wird je nach Quelle als „Testamentsverwalter“ geführt, in anderen Listen dagegen als „John Mooney“. Beide Angaben zirkulieren seit Jahren in deutschen Filmdatenbanken. Welche stimmt? Ehrlich gesagt: Ich habe es nicht herausgefunden. Die Rolle ist klein genug, dass sie in keiner Credits-Liste prominent auftaucht, und die Credits selbst unterscheiden sich zwischen Kino- und späteren Fassungen.

Was gesichert ist:

  • Gerald R. Molen als Dr. Bruner
  • Michael D. Roberts als Vern
  • Ralph Seymour als Lenny
  • Bonnie Hunt als Sally Dibbs – ihre erste größere Filmrolle überhaupt
  • Lucinda Jenney als Iris
  • Barry Levinson selbst als Dr. Marston
  • und Jack Murdock in der umstrittenen Rolle

Levinson vor der Kamera ist übrigens ein hübsches Detail: Der Regisseur spielt den Arzt, der Raymond untersucht. Er hätte einen Nebendarsteller nehmen können. Hat er nicht.

Wer hinter der Kamera saß

Funktion Name
Regie Barry Levinson
Drehbuch Barry Morrow und Ronald Bass
Produktion Mark Johnson
Musik Hans Zimmer
Kamera John Seale

Hans Zimmer ist ein Name, den Sie kennen sollten, auch wenn Sie den Film nicht kennen. Die Musik von Rain Man ist eine seiner früheren Arbeiten und klingt an manchen Stellen überraschend schlicht – fast wie ein Demo. Was kein Zufall ist: Zimmer war zum Zeitpunkt der Produktion noch kein etablierter Name in Hollywood.

Häufige Fragen zur Besetzung von Rain Man

Welche Rolle spielt Dustin Hoffman in Rain Man?

Dustin Hoffman spielt Raymond Babbitt, den älteren Bruder von Charlie Babbitt. Für diese Rolle erhielt er 1989 den Oscar als Bester Hauptdarsteller. Raymond lebt in einer Einrichtung, hat feste Rituale und eine außergewöhnliche Fähigkeit im Umgang mit Zahlen.

Wer synchronisiert Dustin Hoffman in der deutschen Fassung?

In der deutschen Synchronfassung von Rain Man spricht Joachim Tennstedt Dustin Hoffman. Tom Cruise wird von Stephan Schwartz gesprochen, Valeria Golino von Katja Nottke.

Wer führte Regie bei Rain Man?

Regie führte Barry Levinson. Er übernahm außerdem die kleine Rolle des Dr. Marston. Für die Regie erhielt er 1989 den Oscar.

Welche Rolle spielt Tom Cruise in Rain Man?

Tom Cruise spielt Charlie Babbitt, den jüngeren Bruder. Charlie ist Autohändler, verschuldet und zunächst vor allem an der Erbschaft seines Vaters interessiert. Der gemeinsame Roadtrip mit Raymond verändert seine Haltung – ob überzeugend, darüber streiten Fans seit Jahrzehnten.

Der wahre Kern der Figur: Kim Peek

Raymond Babbitt ist keine Erfindung aus dem Nichts. Die Figur geht auf Kim Peek zurück, einen Mann aus Utah mit außergewöhnlichem Gedächtnis, der Barry Morrow bei einer Begegnung so beeindruckte, dass dieser das Drehbuch nach ihm formte.

Peek selbst war kein Autist im klinischen Sinn – er hatte eine andere neurologische Besonderheit. Morrow und Bass haben daraus eine Figur gemacht, die Elemente verschiedener Erkrankungen mischt. Das ist dramaturgisch nachvollziehbar und wissenschaftlich unsauber. Beides gleichzeitig.

Was das für die Wirkung des Films bedeutet, ist umstritten und wird bis heute diskutiert: Rain Man hat Autismus einem Millionenpublikum nähergebracht und gleichzeitig ein Bild verfestigt, das viele Betroffene und Angehörige als zu eng empfinden – das des „Inselbegabten“, der vor allem durch Rechenkünste auffällt.

Was von der Besetzung bleibt

Dustin Hoffman, Tom Cruise, Valeria Golino – die drei sind das, was man findet, wenn man oberflächlich sucht. Wer genauer hinsieht, findet eine zweite Besetzung dahinter: Tennstedt, Schwartz, Nottke und ein gutes Dutzend weiterer Sprecher, ohne die der Film hierzulande nicht derselbe wäre.

Und dann ist da noch Kim Peek, der Mann, dessen Leben die Vorlage lieferte und der am Ende selbst eine Art Berühmtheit wurde – eingeladen zu Premieren, gefragt in Talkshows, für etwas, das er sich nicht ausgesucht hatte. Die Besetzung eines Films endet eben nicht beim Abspann.

Jana Werner

Jana Werner

Jana Werner ist als Journalistin seit mehr als zehn Jahren tätig und berichtet schwerpunktmäßig über die Schnittstelle von Finanzen, Immobilien und Mode sowie über geschäftliche Entwicklungen. Ihre Texte behandeln unter anderem Anlagestrategien, Immobilienmärkte und wirtschaftliche Aspekte des Modehandels.

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